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Bewertung der Umweltperformance der weltweit größten Chemie- und Pharmafirmen |
Inhaltsverzeichnis
1 INHALT UND HINTERGRUND
DER TOP50-STUDIE
1.1 HINTERGRUND DES TOP50-PROJEKTES2 METHODE DER TOP50-UNTERSUCHUNG
1.2 ZIELE DES TOP50-PROJEKTES
1.3 ABLAUF EINER TOP50-STUDIE
1.4 ZEITLICHER ABLAUF DER DREI TOP50-STUDIEN
2.1 METHODISCHE GRUNDLAGE: DAS „INTELLIGENTE PRODUKTE SYSTEM“3 DIE 2.TOP50-STUDIE
2.2 DER TOP50-FRAGEBOGEN
2.3 VERGLEICHBARKEIT DER UNTERNEHMEN
2.4 BEWERTUNGSMETHODE
4.1 UMWELTBEZOGENE UNTERNEHMENSPOLITIK5 DIE 3.TOP50-STUDIE
4.2 WELTWEITE EINHEITLICHKEIT VON UMWELTSTANDARDS
4.3 UMWELTMANAGEMENT-SYSTEME
4.4 ENTWICKLUNG VON UMWELTVERTRÄGLICHEREN PRODUKTEN
4.5 NACHHALTIGE PROZEßOPTIMIERUNG
4.6 INFORMATIONSPOLITIK
4.7 UMGANG MIT ABFÄLLEN UND RÜCKNAHME VON PRODUKTEN
4.8 VERHINDERUNG VON UMWELTSTÖRFÄLLEN
4.9 SANIERUNGSPROGRAMME
4.10 EXTERNE UMWELTAKTIVITÄTEN
1
Inhalt und Hintergrund der Top50-Studie
Das Top50-Projekt evaluiert und bewertet die Umweltperformance der
50 weltweit umsatzstärksten Chemie- und Pharmaunternehmen.
Die Informationsgrundlage bilden zum einen Informationen der Firmen
selbst, die mit einem umfangreichen Fragebogen aufgenommen und durch Unternehmensinformationen
ergänzt werden und zum anderen die Ergebnisse der Recherche firmenexterner
Quellen.
1.1 Hintergrund des Top50-Projektes
Produkte und Produktion der chemischen Industrie sind in hohem Maße
umweltrelevant. Die chemische Industrie produziert in großtechnischem
Maßstab Substanzen wie sie in der Natur nicht, oder aber in weit
geringerer Konzentration anzutreffen sind. Die umweltwissenschaftliche
Kenntnis über die Wirkungen dieser Substanzen in der Natur steht erst
am Beginn.
Gleichzeitig ist die Produktion chemischer Verbindungen derart komplex,
daß sie nur von Fachleuten nachvollzogen werden kann. Eine Transparenz
für Nicht-Fachleute ist praktisch nicht gegeben. Die Produkte dienen
als Inputfaktoren für viele andere produzierende Industrien. Obwohl
sie nur selten, wie z.B. beim Kunststoff, unmittelbar wahrgenommen werden,
üben sie einen direkten Einfluß auf die Umweltrelevanz der globalen
Materialströme aus.
In Folge großer Chemieunfälle wie Bhopal und Schweizerhalle veröffentlichte die Chemieindustrie in den späten 80er Jahren erste Umweltberichte. Ziel war es, die Öffentlichkeit zu beruhigen und das Negativimage der chemischen Industrie zu revidieren. Das Resultat bestand meist in der Veröffentlichung einseitiger Information. Am Negativimage der chemischen Industrie in der Öffentlichkeit änderte sich dabei wenig. Nach wie vor herrscht eine Art kritische Distanz vor.
Ein wichtiger Vorteil der Top50-Untersuchung ist, daß die Umweltaktivitäten der Chemieindustrie über einen längeren Zeithorizont dargestellt werden können als dies in der Presse möglich ist. So werden längerfristige Entwicklungen deutlich. Dies gibt der Öffentlichkeit die Möglichkeit einen besseren Überblick über die Umweltsituation der Chemieindustrie zu bekommen. Die Top50-Untersuchung wurde mit dem Ziel gestartet, die Öffentlichkeit umfassender zu informieren.
Eine wesentliche Motivation für das Top50-Projekt besteht in der Tatsache, daß einige Chemiefirmen in spezifischen Bereichen positive Ansätze für einen effektiven Umweltschutz aufzuweisen haben. Diese werden allerdings von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, da die chemische Industrie zumeist als ein Ganzes gesehen wird, und nicht zwischen den einzelnen Firmen differenziert wird. Das Hamburger Umweltinstitut möchte mit seiner Studie auf wesentliche umweltrelevante Unterschiede zwischen den einzelnen Firmen hinweisen, einen ökologischen Wettbewerb initiieren und damit die Umweltverträglichkeit der Chemieproduktion insgesamt voranbringen.
Die wesentlichen Ziele der Untersuchung lassen sich wie folgt umreißen:
Nach Außen will das Top50-Projekt vorwiegend positive Beispiele aus spezifischen Umweltschutzbereichen kommunizieren. Dahinter steht die Idee, einen „ökologischen Wettbewerb“ in der Chemieindustrie zu fördern. Die Studie will auch aufzeigen, daß umweltverträgliche Lösungen in vielen Fällen auch ökonomisch profitable Lösungen sind.
Weiterhin will das Top50-Projekt auch Personen innerhalb der Industrie unterstützen, die sich für ökologische Belange einsetzen. Die teilnehmenden Firmen bekommen mit dem Top50-Fragebogen ein Instrument für eine Selbsteinschätzung an die Hand. Die Firmen bekommen in dem im Rahmen des Projektes stattfindenden Diskussionsprozeß auch Feedback zu ihrer Performance und externe Anregungen von Seiten des Hamburger Umweltinstituts, d.h. von einer umweltwissenschaftlichen Seite.
Ein weiteres Ziel der Studie ist es, Absolventen mit hoher Motivation und sehr guten Qualifikationen Informationen über potentielle zukünftige Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen. Diese Absolventen repräsentieren ein großes Potential für die Unternehmen. Es ist daher aus Umweltbelangen wichtig, welche Firmen diese Potential nutzen können. Im Umweltbereich proaktiv agierende Firmen sollen durch das Top50-Projekt unterstützt werden.
Der erste Fragebogen zur Top50-Untersuchung wurde 1990 entwickelt. Die Resultate der ersten Untersuchung wurden im Januar 1994 veröffentlicht. Der Ablauf einer Studie wird im folgenden beschrieben.
| 1989-1994 | 1. Top50-Studie |
| 1994-1996 | 2. Top50-Studie |
| 1996-1999 | 3. Top50-Studie |
2
Methode der Top50-Untersuchung
2.1
Methodische Grundlage: das „Intelligente Produkte System“
Die Top50-Untersuchung basiert auf dem „Intelligenten Produkte System“ (IPS). Das IPS wurde von Prof. Michael Braungart und Justus Engelfried entwickelt und 1993 mit dem „Océ van der Grinten“-Preis ausgezeichnet. Das „Intelligente Produkte System“ stellt eine konzeptionelle Basis für ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem dar. Das IPS basiert auf der Einteilung aller Produkte in 3 Güterarten, die in Abbildung 1 dargestellt ist.
Abb. 1: Güterarten im „Intelligenten Produkte System“ [BRAUNGART et al.]
Für jede der 3 Güterarten wurden spezifische Kriterien definiert,
die Güter in einer nachhaltigen Wirtschaft erfüllen müssen.
Die Basiskriterien sind:
a) Verbrauchsprodukte müssen in biologischen Kreisläufen geführt werden können2.1.1 Verbrauchsgüter
b) Gebrauchsprodukte müssen in technischen Kreisläufen geführt werden und
c) unverkäufliche Produkte müssen in einem „Abfallparkhaus“ solange
zwischengelagert werden, bis eine umweltverträgliche Behandlung möglich ist.
Verbrauchsgüter, z.B. Waschmittel oder Pestizide, liegen nach der Erfüllung ihrer Funktion zumeist nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form vor. Daher müssen sie in Art und Menge in biologischen Kreisläufen zirkulieren können, ohne das ökologische System zu beeinträchtigen. Folgende Kriterien müssen von diesen Produkten erfüllt werden, damit Umwelt- und Gesundheitsbeeinträchtigungen durch den Konsum dieser Güter vermieden werden:
Gebrauchsgüter sind Produkte, die vom Konsumenten ausschließlich zur Bereitstellung einer „Dienstleistung“ genutzt werden. So wollen die Menschen in der Regel einen Fernseher nicht besitzen, sondern fragen die Dienstleistung „Information und Unterhaltung“ nach. Gebrauchsgüter müssen so konfiguriert werden, daß technische Kreisläufe realisiert werden können, die die Materialien für die weitere Nutzung auf gleichem qualitativen Niveau erhalten.
Im Rahmen des „Intelligenten Produkte System“ werden für solche
Güter Servicekonzepte oder Ökoleasing-Konzepte vorgeschlagen.
In diesem System würden Gebrauchsgüter vom Produzenten nur „ausgeliehen“.
Das Servicekonzept sieht eine Rücknahme des Gebrauchsgutes durch den
Produzenten vor. Durch die anschließende Demontage und Verwendung
der Materialien zum gleichen Einsatzzweck kann eine produktorientierte,
umweltverträgliche Produktionsweise umgesetzt werden. Unter Umweltaspekten
gesehen ist ein Vorteil von Servicekonzepten, daß die eingesetzten
Materialien im Eigentum des Herstellers verbleiben.
Dieser hat dadurch ein direktes ökonomisches Interesse, die eingesetzte
Menge an Rohmaterial zu vermindern und Materialien mit einer hohen Umweltqualität
einzusetzen.
2.1.3 Unveräußerliche Güter
Unverkäufliche Güter stellen i.d.R. keinen ökonomischen Wert dar. Es handelt sich größtenteils um umwelt- und gesundheitsgefährdende Reststoffe aus der industriellen Produktion, für die zur Zeit keine sinnvolle Möglichkeit zur Kreislaufschließung existiert. Diese Güter sollten längerfristig nicht mehr produziert werden. Als Zwischenlösung schlägt das „Intelligente Produkte System“ eine Lagerung in einem „Abfallparkhaus“ vor, bis eine umweltverträgliche Behandlung möglich ist.
Die Besonderheit des Ansatzes besteht darin, die Gebühren mit der Einlagerungsdauer zu erhöhen, um den ökonomischen Anreiz zur Problemlösung zu verstärken.
Der Fragebogen basiert auf den Kriterien des „Intelligenten Produkte
Systems“. Er umfaßt 10 Themengebiete, mit insgesamt 55 Einzelfragen
mit teilweise mehreren Unterfragen. Die Themengebiete und deren Gewichtung
sind in Abbildung 2 dargestellt.
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Umweltbezogene Unternehmenspolitik und ihre Umsetzung in den strategischen Langzeitzielen |
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Weltweite Einheitlichkeit von Umweltstandards |
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Umweltmanagement-Systeme |
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Entwicklung von umweltverträglichen Produkten |
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Nachhaltige Prozeßoptimierung |
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Informationspolitik |
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Umgang mit Abfällen und Rücknahme von Produkten |
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Verhinderung von Umweltstörfällen |
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Sanierungsprogramme |
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Externe Umweltaktivitäten |
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Abb. 2 : Themengebiete und ihre Gewichtung im Top50-FragebogenDer Schwerpunkt der Bewertung liegt auf den Blöcken III, IV und V (insgesamt 45%). Diese zeigen am deutlichsten die Umsetzung umweltrelevanter Unternehmensrichtlinien und -ziele in reale Umweltschutzmaßnahmen.
Der Fragebogen enthält einige Fragen mit stark proaktivem Charakter, die eine klare Aussage zum Stand der Umsetzung von Umweltverträglichkeit fordern. So wird etwa unter IV. „Entwicklung von umweltverträglichen Produkten“ nach der Durchführung von Abbaubarkeitstests gefragt, aber auch nach der Implementation von Servicekonzepten. Diesen proaktiven Fragen wird im Vergleich zu Fragen, die sich eher mit End-of-Pipe Maßnahmen beschäftigen, ein höheres Gewicht beigemessen. Hier dokumentiert sich der Lenkungscharakter der Untersuchung.
Die maximal erreichbare Zahl von 500 Punkten entspricht eher einem Idealwert, der von sehr hohen Ansprüchen getragen wird. Das Gewicht der einzelnen Fragen liegt zwischen 1 und 5% (5 bis 25 Punkte). Es werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter abgefragt.
2.3 Vergleichbarkeit der Unternehmen
Das Spektrum der in die Untersuchung einbezogenen Unternehmen reicht
von Grundchemikalienhersteller bis hin zu Pharmaunternehmen. Die Produktpalette
kann sich zum Teil erheblich unterscheiden, beinhaltet aber in fast allen
Fällen auch Grundchemikalienproduktion. Die Bewertung erfolgte in
jedem Fall unter Berücksichtigung der Grundchemikalien, so z.B. für
Johnson&Johnson, wo Grundchemikalien ca. 30% des Produktportfolios
ausmachen.
Vergleicht man die Gewichtung der Themenbereiche zeigt sich, daß
Differenzen in der Bewertung aufgrund unterschiedlicher Produktportfolios
von 15%, maximal 30% möglich sind. Diese können in den Bereichen
„Produkte“ (IV) und „Prozesse“ (V) entstehen. Aus diesem Grund werden im
Ranking die Hauptgeschäftsfelder der Unternehmen explizit aufgeführt.
In den anderen Bereichen des Fragebogens lassen sich alle Hersteller
vergleichen.
Um eine einheitliche Bewertung aller Firmen zu gewährleisten, wird
eine Bewertungsmatrix erarbeitet, die festlegt, was im Detail von einer
Firma erfüllt werden muß, um eine bestimmte Punktzahl zu erreichen.
Damit werden konkret nachvollziehbare Benchmarks definiert. Die Anwendung
der Bewertungsmatrix verhindert auch unterschiedliche Bewertungen durch
verschiedene Wissenschaftler. Sie stellt eine der Maßnahmen dar,
die ergriffen wurden, um eine hohe Konsistenz in der Bewertung unterschiedlicher
Firmen zu sichern.
Der gesamte Prozeß wurde im Interesse einer nachvollziehbaren
und personenunabhängigen Bewertung gestaltet. Im ersten Schritt wurden
die Umweltaktivitäten, basierend auf den Firmenprofilen und der Bewertungsmatrix,
von einem Wissenschaftler bewertet. Die Resultate dieser Einzelbewertung
wurden von einem weiteren Wissenschaftler geprüft und schließlich
im Wissenschaftlerforum diskutiert. Die dabei gezogenen Quervergleiche
sind wichtige Schritte im Bewertungsprozeß, vor allem bei qualitativen
Fragen, wo eine stringente Bewertung nur vergleichend möglich ist.
Die Bewertung bezieht sowohl Firmeninformation als auch Information
aus externen Quellen ein. Diese wurde in Firmenprofilen kompiliert und
dient als Bewertungsbasis.
Der Fragebogen gibt die Selbsteinschätzung der Umweltperformance
der Unternehmen wieder. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen
den einzelnen Firmen, die sich durch regionale und firmenkulturelle Unterschiede
begründen lassen.
Die Firmen wurden aufgefordert, jede Frage mit Hintergrundinformationen zu dokumentieren. Dieser Schritt war nötig, da eine reine „Note“ aus der Selbsteinschätzung zu wenig Aussagekraft hatte für die bewertenden Wissenschaftler. Ein Beispiel ist die Frage nach Umweltrichtlinien: die Information daß eine Firma solche Richtlinien hat, reicht für eine Bewertung nicht aus, weil v.a. der Inhalt der Richtlinien wesentlich ist.
Bewertet wurde daher in erster Linie das Dokumentationsmaterial zum
Fragebogen, während die Selbsteinschätzung als firmeninternes
Instrument gedacht ist. Ein interessanter Aspekt ist der Vergleich der
Eigenbewertung mit der des HUI. Je nach Fragestellung zeigen sich Abweichungen
von bis zu 250%. Vergleicht man verschiedene Firmenbewertungen, zeigen
sich Unterschiede in der Größenordnung von 135%.
In den folgenden Tabellen 1-4 werden die Resultate des zweiten Rankings
dargestellt. Die Firmen wurden in die 4 Gruppen „Proaktive“, „Aktive“,
„Reaktive“ und „Passive“ eingeteilt.
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| Company | Main industry | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | Total points |
| Johnson&Johnson | Mix | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 296 |
| Henkel KGaA | Mix | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 288 |
| 3M | Mix | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 284 |
| Procter&Gamble Company | Consumer | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 267 |
| Dow Chemical Company | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 243 |
| Baxter International Inc. | Health | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 231 |
| Ciba-Geigy | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 228 |
| Unilever N.V. | Consumer | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 226 |
| Bristol-Myers Squibb Company | Health | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 216 |
| DuPont Inc. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 211 |
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| Company | Main industry | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | Total points |
| Eli Lilly | Pharma | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 199 |
| Elf Atochem | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 192 |
| Degussa | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 190 |
| Norsk Hydro | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 182 |
| Hüls | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 181 |
| GlaxoWellcome plc | Pharma | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 181 |
| Schering | Pharma | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 179 |
| Union Carbide Corp. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 177 |
| Monsanto Company | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 174 |
| W. R. Grace&Co. | Consumer | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 173 |
| Toray Industries, Inc. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 171 |
| Quantum Chemical Company | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 171 |
| Bayer | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 168 |
| Showa Denko K.K. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 167 |
| BASF | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 165 |
| DSM N.V. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 165 |
| Shell Chemical Company | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 164 |
| Rohm and Haas Company | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 163 |
| Hoechst | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 161 |
| SmithKline Beecham plc | Pharma | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 161 |
| ICI plc | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 160 |
| Chevron Corp. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 160 |
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| Company | Main industry | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | Total points |
| Eastman Chemical Company | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 150 |
| Solvay S.A. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 149 |
| Montecatini | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 148 |
| Akzo Nobel N.V. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 146 |
| PPG Industries, Inc. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 145 |
| Hoffmann-LaRoche | Pharma | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 144 |
| Mobil Chemical Co., Inc. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 143 |
| Sandoz | Mix | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 143 |
| Takeda Chemical Industries Ltd. | Pharma | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 142 |
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| Company | Main industry | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | Total points |
| BP Chemicals Ltd. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 135 |
| Merck&Co., Inc. | Pharma | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 135 |
| Amoco Corp. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 134 |
| The BOC Group | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 133 |
| Sekisui Chemical Co., Ltd. | Consumer | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 131 |
| Colgate-Palmolive Company | Consumer | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 130 |
| Occidental Chemical | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 128 |
| GE Plastics B.V. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 123 |
| Tosoh Corp. | Base | l | l | l | l | l | l | l | l | l | l | 118 |
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Die Tabellen zeigen auffällig die große Gruppe im mittleren Bereich. Dieser „Responsible Care-Bauch“ wird von Firmen gebildet, die Responsible Care als Mindestmaßnahmen-Programm befolgen. Viele dieser Unternehmen geben sich damit nach außen hin den Anstrich von Umweltaktivität, sind aber von „environmental sustainability“ noch weit entfernt. Aufgrund nur geringer Punktunterschiede in diesem Bereich ist lediglich die Einordnung am Anfang oder Ende der Gruppe von Bedeutung. Die einzelnen Plazierungen sind hier nur bedingt aussagekräftig.
Die Unternehmen der proaktiven Gruppe sind stark daran interessiert,
ihren Vorsprung vor dem Mittelfeld zu wahren. Kennzeichnend für diese
Gruppe ist ihre Innovations- und Diskussionsbereitschaft. Das Erreichen
von maximal 290 der möglichen 500 Punkte macht jedoch deutlich, daß
auch hier noch großer Handlungsbedarf für Verbesserungen besteht.
Bei einigen Firmen muß vermutet werden, daß ihre Umweltperformance
real besser ist als sie dies nach außen darstellen können oder
wollen. Es handelt sich dabei um Toray, Rohm&Haas, Hoffmann-LaRoche,
BP Chemicals, GE Plastics, Quantum und Merck. Diese Firmen sind zurückhaltend
bei der Kommunikation von umweltrelevanten Informationen.
Die Unternehmen der reaktiven Gruppe sind bestrebt, Anschluß an das Minimalniveau von Responsible Care zu finden. Viele Unternehmen, die sich bislang eher passiv verhalten haben, versuchen jetzt zumindest zu den Minimalstandards aufzuschließen.
Wie schon kurz erwähnt, werden Firmen, die weder in der Lage sind
ihre Umweltaktivitäten zu dokumentieren noch dem Hamburger Umweltinstitut
in irgendeiner Weise ihre Umweltaktivitäten zu kommunizieren, in der
Negativliste als nicht zu bewertende Firmen geführt. Abbott als Spezialfall
hat den Fragebogen zwar ausgefüllt, aber aufgrund unzureichender Hintergrundinformation
konnte die Umweltperformance der Firma trotzdem nicht beurteilt werden.
Die Negativliste findet sich in Tabelle 5.
| Abbott Laboratories | L’Air Liquide |
| Aijnomoto Co., Inc. | Mitsubishi Chemical |
| American Home Products Corporation | Pfizer Inc. |
| Asahi Chemical Industry Co., Ltd. | Rhône-Poulenc |
| Dainippon Ink & Chemicals, Inc. | Schering-Plough Corp. |
| EniChem S.p.A. | Sumitomo Chemical |
| Exxon Chemical Company | Warner Lambert Company |
| Kao Corporation |
4 Allgemeine Ergebnisse der 2.Top50-Studie
Neben der unternehmensspezifischen Auswertung ist durch die Anlage der Untersuchung die Möglichkeit gegeben, einige Ergebnisse über die chemische und pharmazeutische Industrie um allgemeinen abzuleiten.
Das Ranking zeigt z.B. deutlich, daß auch Unternehmen, die vorwiegend
Grundchemikalien herstellen, zur proaktiven Gruppe gehören. Die Befürchtung
einer per se negativen Bewertung dieser Herstellergruppe im Vergleich zu
Verbrauchsgüterherstellern ist somit nicht gerechtfertigt.
Im folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse des Projektes, gegliedert
nach Themenbereichen im Fragebogen, dargestellt.
4.1 Umweltbezogene Unternehmenspolitik und ihre Umsetzung in den strategischen Langzeitzielen
Standards für umweltbezogene Unternehmensrichtlinien werden zumeist von US- amerikanischen Firmen gesetzt. Das Responsible Care-Programm (in Deutschland „Verantwortliches Handeln“) ist ein wichtiger Einflußfaktor auf Unternehmensrichtlinien. Dieses Programm wurde von Europa und Japan nach der Einführung in Kanada und den USA übernommen. Es ist festzustellen, daß viele Firmen die sechs „Management Codes“ des Responsible Care Programms als Substitut für eigene Umweltrichtlinien betrachten. Nach Meinung des Hamburger Umweltinstituts genügt dies jedoch nicht, die „Management Codes“ müssen vielmehr in unternehmensspezifische Richtlinien umgesetzt werden. Weiterhin enthalten die sechs „Management Codes“ keine Verpflichtung zur Einhaltung weltweit gleicher Standards, welche für eine gute Umweltperformance auf Konzernebene wichtig ist (siehe auch 4.2).
Firmen, die sich nur auf ihre Beteiligung am Responsible Care-Programm beziehen, befinden sich folglich nicht in der proaktiven Gruppe, auch wenn sie bereits einen relativ hohen Umsetzungsgrad der vom Programm vorgegebenen „Management Principles“ erreicht haben. Ein Beispiel dafür ist Union Carbide: die Firma kommuniziert in einer sehr verständlichen Form eine umfassende Einführung der 106 „Management Principles“, trotzdem ist ihre allgemeine Umweltperformance durchschnittlich.
Andere Firmen hatten bereits eigene Umweltrichtlinien und -programme, bevor externe Programme in diesem Bereich aufgestellt wurden. Als Beispiel für diese Art der Integration von externen und internen Programmen kann Bristol-Myers Squibb genannt werden, wo die 16 Prinzipien der ICC-Charta in Kombination mit bereits existenten internen Richtlinien in firmenspezifische Prozeduren umgesetzt wurden.
Strategische Langzeitziele im Umweltbereich werden stark von (staatlichen) Programmen zur Abfall- und Emissionsreduktion beeinflußt. Viele Firmen haben nur in diesen Bereichen Umweltziele, nicht aber mit Bezug zur Produktoptimierung. Wenn Ziele in den Bereichen Abfall- und Emissionsreduktion nur quantitativ formuliert sind, kann das zur Einführung von End-of-Pipe-Technologien führen. Hier bedarf es einer Integration qualitativer Aspekte, um eine Reduktion von Emissionen an der Quelle zu bevorzugen. Zusätzliche Ziele in anderen Bereichen sind hauptsächlich kurz- und mittelfristig.
Fast alle Firmen bezeichnen ökologische und ökonomische Ziele zumindest formell als gleichrangig. Meßbare Umweltziele, die über gesetzliche Anforderungen hinausgehen, können als ein Indikator für die Realität dieser Gleichrangigkeit gesehen werden.
4.2 Weltweite Einheitlichkeit von Umweltstandards
Dieser Themenbereich des Fragebogens beschäftigt sich mit regionalen
Differenzen in firmenspezifischen Umweltstandards für Produkte und
Produktion. Auch hier ist festzustellen, daß weltweit gleiche Umweltstandards
vor allem von US-amerikanischen Firmen eingehalten werden.
Etwa ein Drittel aller Firmen stellt ihre Produkte unter Beachtung
der gleichen Umweltstandards für alle Produktionsstätten weltweit
her. Dies bedeutet, daß in jedem Fall ein hoher Firmenstandard zum
Einsatz kommt, der (auch z.B. in Deutschland) das Niveau der lokalen Gesetzgebung
erreicht. Die restlichen Firmen befolgen vorwiegend die jeweilige lokale
Gesetzgebung an jedem Produktionsstandort.
Das Problem das hierbei auftritt ist, daß viele Schwellen- und Entwicklungsländer momentan das Niveau der einzuhaltenden Umweltgesetze eher den Firmenwünschen als den ökosystemaren Notwendigkeiten anpassen. Diese Politik kann zu unterschiedlichen Standards für Produkte oder Prozesse führen. So verkaufen z.B. Asta Medica (Degussa) im Pharmasektor oder Bayer im Pestizidbereich Produkte in Entwicklungsländern, die im Stammland nicht verkauft werden und nicht zugelassen sind. Im gleichen Zusammenhang steht die Beobachtung, daß z.B. Bayer und Hoechst ihre gentechnische Forschung und vor allem Freilandexperimente mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Länder verlagern, wo die spezifische öffentliche Wahrnehmung weniger kritisch ist als im Stammland.
Die meisten Firmen haben erste Schritte zur Implementierung eines Umweltmanagementsystems
(UMS) unternommen oder haben bereits ein solches einführt. Ein UMS
kann als eine grundlegende Voraussetzung für eine ökologische
Optimierung von Produkten und Produktion gesehen werden. Allerdings garantiert
ein UMS per se noch nicht die ökologische Verträglichkeit von
Produkten und Produktion. Tatsächlich bedienen sich viele Firmen ihrer
UMS lediglich zur Erfüllung und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
und nutzen nicht ihre volle Möglichkeiten aus.
Eine umweltverträgliche Entwicklung kann nur durch die Umsetzung
aller relevanten Aspekte im Managementsystem erreicht werden. Es ist daher
besonders wichtig, daß das UMS sich auf Produkte, die Erfassung und
Bewertung ihrer Umwelteinwirkungen, wie auch auf F&E für neue
Produkte ausgedehnt wird. In vielen Fällen wird der Bezug des UMS
zu den Produkten noch vernachlässigt.
Die Effizienz - gemessen an der ökologischen Optimierung der Produkte
- vieler UMS muß sich noch zeigen. Dies gilt vor allem für Firmen
wie Monsanto, Union Carbide, Dow Chemical und Unilever. Auch z.B. Degussa
und Hüls haben, auf Druck von außen reagierend, recht umfassende
UMS eingeführt. Auch hier bleibt die Auswirkung auf das Produktportfolio
abzuwarten.
Eine Verantwortung für Umweltbelange auf höchster Ebene ist
in den meisten Firmen gegeben. Viele Verantwortliche für Umwelt sind
gleichzeitig verantwortlich für die Bereiche Sicherheit und Gesundheit.
Es gibt auch Modelle in denen die Verantwortlichkeit für Umweltaspekte
mit derjenigen für F&E oder anderen Abteilungen gepaart wird.
Sehr wenige Firmen haben eine Person oder eine Institution, die nur für
Umweltaspekte zuständig ist. Kombinationsmodelle den Vorteil, daß
die verantwortliche Person ggf. einen größeren Handlungsspielraum
hat, es können aber auch Zielkonflikte zwischen den einzelnen Abteilung
entstehen. Generell gesehen ist eine nur für Umweltaspekte zuständige
Stelle im Unternehmen sicherlich ein positives Zeichen für die Relevanz
des Themas, sowohl nach innen wie auch nach außen.
Entscheidungen werden in den meisten Fällen zumindest in einem Konsensusverfahren getroffen, in welches der Umweltmanager einbezogen wird. Dies gilt vor allem wenn es sich um größere Investitionen handelt. Einige Umweltmanager haben ein aktives Vetorecht bezüglich Investitionen, Produktionsprozessen und Produkten, was bedeutet, daß der Umweltmanager z.B. einen Produktionsprozeß stoppen kann wenn eine relevante Negativauswirkung auf die Umwelt zu befürchten ist. Ein solches Vetorecht ist sehr proaktiv und effizient, es sei denn, das Zitat einer Firma zum Thema trifft zu: „Der Umweltmanager kann einen Prozeß zwar stoppen, aber er kann es nur einmal tun.“.
Firmeninterne Information über Produkte und Inhaltsstoffe ist in den meisten Firmen in Form von Sicherheitsdatenblättern (SDB) vorhanden, die zumeist gesetzlich vorgeschrieben sind. Allerdings muß darauf hingewiesen werden, daß die Qualität der verschiedenen SDB bezüglich ihrer Aussage über umweltrelevante Fakten stark differiert. Umweltbezogene Information über ein Produkt ist in den meisten Fällen sehr limitiert oder das Produkt wird nur ungenügend in seinem umweltrelevanten Gesamtzusammenhang dargestellt. Darüber hinausgehend haben einige Firmen interne Datenbanken erstellt, die umweltrelevante Information über Produkte und Inhaltsstoffe allen Abteilung zur Verfügung stellen. Andere Firme bevorzugen für diese Funktion lebende Expertensysteme, bei denen umweltrelevante Information von einer spezifischen, mit dem entsprechenden Wissen ausgestatteten, Stelle gesammelt und abgerufen wird. Der Vorteil von lebenden Expertensystemen ist, daß abgefragte Information jeweils mit notwendigen Hintergrundinformationen und Erklärungen versehen werden kann.
Programme für die interne Information und Ausbildung in bezug auf
Umweltaspekte sind wesentlich für die Akzeptanz und Einbindung des
Themas auf allen Ebenen des Unternehmens. Eine effizientes und oft benutztes
Instrument ist ein spezifisches Vorschlagswesen, welches oft mit der Möglichkeit,
Preise zu gewinnen, verbunden ist. Ein umweltbezogenes Vorschlagswesen
ist deswegen effizient, weil die Mitarbeiter die täglich mit einem
Prozeß arbeiten, in der Regel am meisten Verbesserungspotential sehen
können, wenn sie für Umweltaspekte sensibilisiert sind. Das Ausmaß
interner Umweltschutzmaßnahmen unterscheidet sich sehr stark von
Firma zu Firma, und reicht von Recycling des Büropapiers über
Car Sharing-Modelle bis hin zu
Ausbildungsmaßnahmen.
Ein positives Beispiel in diesem Bereich gibt Eastman Chemical mit dem
Angebot eines speziellen Ausbildungsprogrammes für „Environmental
Operations“. Es zeigen sich große Unterschiede in der Denkhaltung
von Firmen mit einer guten und solchen mit einer durchschnittlichen oder
schlechten Umweltperformance. Ein Beispiel dafür ist die Internalisierung
von externen Kosten. Externe Kosten bezeichnen Beeinträchtigungen
öffentlicher Güter, die nicht durch den Verursacher bezahlt werden.
Es gibt heute noch keine allgemein akzeptierten Systeme zur Berechnung
externer Kosten. Der proaktive Ansatz wird von Firmen wie Ciba-Geigy, 3M
und Henkel angewendet. Diese Firmen sehen die Relevanz der Kosteninternalisierung
und tragen aktiv zur Entwicklung entsprechender Berechnungssysteme bei.
Der passive Ansatz hingegen sagt, unter Hinweis auf die fehlenden, allgemein
akzeptierten Systeme, daß eine Berechnung von externen Kosten schlicht
unmöglich ist. Viele passive Firmen waren mit dem Thema gar nicht
vertraut.
Im Bereich Kosteninternalisierung besteht großer Handlungsbedarf,
vor allem durch die in der chemischen Industrie weit verbreitete Kombination
von Lean Production (schlanke Produktion, geringere Integrationstiefe der
Fertigung) und Global Sourcing (globaler Beschaffung). Diese Kombination
führt zu einer starken Externalisierung von Umweltkosten, was z.B.
im Transportbereich sehr deutlich wird: Produkte oder Inhaltsstoffe werden
billiger hergestellt, etwa in Schwellenländern, die Transportdistanz
wird aber wesentlich erhöht. Dies fällt zwar ökonomisch
nicht so sehr, ökologisch dafür aber um so mehr ins Gewicht.
4.4 Entwicklung von umweltverträglicheren Produkten
Generell kann gesagt werden, daß für die Umsetzung von ökologisch verträglicheren Lösungen, also der Optimierung von Produkten oder Prozessen, ein ökonomischer Gewinn ein wichtiger Faktor ist. Nur sehr wenige Firmen haben z.B. standardisierte längere Pay- Back-Perioden für ökologisch optimierte Produkte um deren Markterfolg zu sichern. Beispiele für Optimierungsprozesse können im Bereich der Verpackungen, wo Anstrengungen für Recycling und Verminderung unternommen werden, im Bereich der Reduktion des Ressourceneinsatzes, wo Anstrengungen hin zu Konzentraten oder zu einer geringeren Anzahl an Inhaltsstoffen, und im Bereich der Abfallverminderung, wo Müllbeseitungskosten bereits in der Entwicklungsphase berücksichtigt werden, gefunden werden.
Viele Firmen haben begonnen, Life Cycle Assessments (LCA, Lebenszyklusanalysen) für neue Produktentwicklungen durchzuführen. Die geringe Anzahl ökologisch optimierter Neuprodukte läßt allerdings darauf schließen, daß LCAs noch nicht in einer Form praktiziert werden, die Produktoptimierung einschließen würde. Ökologische Produktoptimierung wird von vielen Produktionsstätten der Konzerne in Schwellenländern als große Chance zu ökonomischem Wachstum gesehen, wie dies etwa für die Niederlassungen von Unilever in Malaysia und Indonesien der Fall ist.
Umweltmanagementzertifikate wie das Öko-Audit der EU oder ISO 14000ff werden größtenteils kürzerfristig als Wettbewerbsvorteile und längerfristig als Notwendigkeit gesehen. Ob diese Zertifikate allerdings einen wesentlichen Einfluß auf die ökologische Qualität von Produkten und Prozessen haben, hängt weitgehend von der firmenspezifischen Umsetzung der verlangten Maßnahmen ab, da ein konkreter Produktbezug in den entsprechenden Normen wenig ausgebildet ist.
Es gibt allerdings einige wenige Firmen, die erkannt haben, daß
Umweltaspekte ein Teil der Produktqualität darstellen und dies in
entsprechenden Systemen umgesetzt haben. So kombinierte etwa Procter&Gamble
Umweltaspekte mit dem Total Quality Management System und kreierte ein
TQEM-System (Total Quality Environmental Management System) mit Produktbezug.
Auch im Produktbereich gibt es große Unterschiede zwischen Firmen
mit eher kurzfristigen und solchen mit längerfristigen Konzepten.
Charakteristika eines proaktiven, langfristigen Ansatzes sind etwa: Reduktion
von Umweltbelastungen an der Quelle, Optimierung durch Produktdesign, Internalisierung
von Umweltkosten, geschlossene Kreisläufe für Materialien und
Produkte, Servicekonzepte und Umweltaudits. Ein weiterer Indikator der
Bemühung um eine bessere Umweltperformance ist die Elimination von
Schadstoffen wie z.B. FCKWs. Hier gibt es große Unterschiede in der
Geschwindigkeit mit der der Eliminationsprozeß in den einzelnen Firmen
vorangetrieben wird.
Es gibt allerdings auch negative Beispiele. Die Aktivitäten von Dow Chemical und PPG in der Chlorchemie müssen sehr negativ beurteilt werden. Das von Degussa produzierte Cyanid wird zum Goldabbau benutzt, was Umweltschäden verursacht. Auch gibt es nach wie vor viele PVC-Produzenten, die jegliche Umwelt- und Gesundheitsbeeinträchtigungen durch ihr Produkt zurückweisen. Einige dieser Produzenten haben ihre Produktionskapazität wesentlich erhöht oder versuchen sich im Bereich des PVC-Recyclings zu etablieren.
4.5 Nachhaltige Prozeßoptimierung
Viele Firmen haben in den letzten 3 Jahren große Fortschritte in der Emissions- und Abfallreduktion gemacht. Der Grund dafür liegt in gestiegenen gesetzlichen Anforderungen, aber auch in höheren Firmenstandards. Diese Reduktionen wurden mehrheitlich über den Einsatz von End-of-Pipe-Technologien möglich. Der Umstand, daß es vielen Firmen nicht möglich war, Emissions- und Abfallreduktionsraten der letzten 10 Jahre anzugeben, zeigt die Neuartigkeit dieser Entwicklung, die ebenfalls zu hohen Reduktionsraten beiträgt. Einige Firmen müssen trotz tieferer Reduktionsraten als proaktiv eingestuft werden, da hier viel früher Emissionsreduktionsprogramme eingesetzt wurden und dies der Hauptgrund für die vergleichsweise tieferen Raten in der aktuellen Erhebung ist. Im Zusammenhang mit Emissionen muß erwähnt werden, daß in Einzelfällen, wie BP Chemicals, europäische Firmen freiwillig das Berichterstattungsformat aus dem US-amerikanischen Toxic Release Inventory übernommen haben. Dies ist als proaktiv zu sehen, da es eine vergleichsweise umfassende Information der Öffentlichkeit gewährleistet.
Die meisten Firmen verwenden keine erneuerbaren Materialien. Erste Ansätze gibt es bei Henkel und Unilever im Bereich Tenside. Zur Energieerzeugung nutzen z.B. BASF und viele andere Müllverbrennung für die Kogeneration von elektrischer und thermischer Energie. Das Problem dieser Methode ist, daß nur ein kleiner Teil des verbrannten Materials effektiv in Wärme und Elektrizität umgewandelt werden kann, und daher Ressourcen verlorengehen. Regenerative Energien werden nur zu einem sehr geringen Teil verwendet.
Eine Frage in der Untersuchung beschäftigte sich mit dem Optimierungsbedarf eingesetzter Prozesse hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsbeeinträchtigungen. Baxter war eine der sehr wenigen Firmen, die angegeben haben, daß ein Teil ihrer Prozesse ökologisch optmierungsbedürftig ist. Die Fähigkeit zur Selbstkritik, die vielen Unternehmen vollständig abgeht, wird positiv bewertet.
Einige wenige Firmen, wie z.B. Bristol-Myers Squibb führen Audits ihrer Rohstofflieferanten und Transportunternehmen durch. Diese Übernahme von Verantwortung für die Produktion von Inputfaktoren ist noch nicht die Regel. Im Gegenteil, bei weniger proaktiven Firmen zeigt sich ein Trend zur Aufgabe der Produktion von umwelt- und gesundheitsgefährdenden Substanzen die als Inputfaktoren verwendet werden. Diese Firmen beziehen solche Substanzen neu von Drittherstellern und geben damit die gesamte Verantwortung für Herstellung und Transport ab.
Diese Entwicklung ist bedenklich, da die Produktion von umwelt- und
gesundheitsgefährdenden Substanzen oft an Unternehmen in Schwellen-
oder Drittweltländer verschoben wird.
Basierend auf den oben beschriebenen Entwicklungen wird deutlich, daß
fast keine Chemiefirma mehr unabhängig ist. Es kommt zu einer kartellähnlichen
Zusammenarbeit über die Verbindung der Produkte, d.h. über Lieferanten-
und Abnehmer-Beziehungen. Diese Entwicklung kann für die Etablierung
von „industrial sustainability“ nachteilig sein, wenn unter Anwendung von
minimalen Umweltstandards produziert wird. Es besteht hier aber auch die
große